St.Rochus Schützenbruderschaft Oberforstbach 1842 e.V

 im Verband des Grenzland Schützenbundes Aachen Land Süd

Mitglied des Bundes Historischer Deutscher Schützenbruderschaften

 

Geschichte, Chronik

Hier finden sie Auszüge aus der Chronik, die zum 150-jährigen Bestehen der Bruderschaft im Jahre 1992 herausgegeben wurde mit Ergänzungen zur Folgezeit.

Die  Bruderschaft wurde 1842 gegründet und ist mit nunmehr 162 Jahren nicht die älteste Bruderschaft, wohl aber der älteste Verein in Oberforstbach. Doch schon vor der Gründung des Vereins werden acht gefallene Schützen aus Oberforstbach im Zusammenhang mit einem blutigen Treffen am 15. Dezember 1648 in Kalterherberg erwähnt. Hier kämpften Schützen aus den fünf Hunschaften des Münsterländchens, wie das Gebiet der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster genannt wurde. Oberforstbach gehörte wohl zur Hunschaft Brand.

  Vermutlich entstammen Gründungsmitglieder der St. Rochus Schützenbruderschaft Oberforstbach daher der St. Donatus Schützengesellschaft Brand. Der Gründung vorausgegangen war die Einsegnung der 1791 errichteten Kapelle in Oberforstbach, im Jahre 1834, worin der hl. Rochus verehrt wurde. Folglich  gründete  man im Jahre 1842, unter dem  Patronat des hl. Rochus, eine Schützengesellschaft in Oberforstbach. Welchen Anklang die Gesellschaft im Ort fand, geht daraus hervor, dass dem Gründungs -Festausschuss 108 Einwohner der Ortschaft angehörten. Im Protokollbuch der Gesellschaft von 1880, heißt es über die Gründung: „Da es uns gefiel, in Oberforstbach eine Schützengesellschaft zu bilden, wie es in anderen Ortschaften schon eingeführt war, um sich gemeinschaftlich an den Kirmestagen ein Vergnügen zu machen, teils auch um sich im Schießen zu üben, traten einige Männer zusammen, um in Oberforstbach auch eine Schützengesellschaft zu bilden.“

Das Gründungsstatut ist nicht mehr erhalten, wohl aber eine Überarbeitung aus dem Jahre 1880, die seinerzeit noch vom Bürgermeister zu beglaubigen war. Im damaligen Vorstand  finden wir Namen, die es auch heute noch in Oberforstbach, wie auch bei den Schützen gibt.

In einer weiteren Statutenüberarbeitung im Jahre 1897, werden Strafen gemildert und die Vorstandsfunktionen nicht mehr nach militärischen Gesichtspunkten bezeichnet. Die Mitgliederzahl steigt, wird aber durch den Tod von zehn Mitgliedern im 1. Weltkrieg, empfindlich getroffen.

Mit der Gründung der Erzbruderschaft vom hl. Sebastianus im Jahre 1928, wandelte sich die Schützengesellschaft zu einer Schützenbruderschaft, schloss sich der Erzbruderschaft an und ist heute noch Mitglied in dem daraus hervorgegangenen Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

Im Rahmen der sogenannten Gleichschaltung, wurde im Jahre 1934 der damalige Vorsitzende der Bruderschaft abgesetzt. Das Vorhaben, den 1. Brudermeister durch ein Nichtvereinsmitglied zu besetzen, scheiterte an der einstimmigen Ablehnung durch die Schützenbrüder. Im Jahre 1937, wurde der zwischenzeitlich wieder zum Vereinsführer gewählte 1. Brudermeister, wiederholt von der NSDAP abgesetzt. In der folgenden Zeit und im 2. Weltkrieg, reduzierte sich der Verein auf 17 Mitglieder; 2 starben im 2. Weltkrieg.

Im Jahre 1946 trafen sich wieder Schützenbrüder, um das Schützenwesen erfolgreich neu zu beleben.

In der Folge wurden 1956 neue Statuten verabschiedet und ein vom damaligen Pfarrer Schwinning gestiftetes Protokollbuch neu angelegt, das bis heute gepflegt wird. Im Vorwort  mahnt er ein nicht mechanisches Anwenden der Statuten an. Diese wurden teilweise den sich ändernden Bedingungen angepasst. Eine grundlegende Änderung wurde in der Abstimmung vom 12. Januar 1980 beschlossen, welche die Aufnahme von Frauen im Verein zulässt. Wesentliche im Statut festgehaltene Grundsätze sind:die Förderung der religösen, insbesondere der eucharistischen Lebensbetätigung, die Vertiefung des Bruderschaftsgedanken, Betätigung in Nächstenliebe, Pflege des althergebrachten Brauchtums, Erhaltung des Schießspiels, Schießsports und Fändelschwenkens, sowie die Pflege des Schützenbrauchtums und Feier   der Kirmes des Schutz- und Pfarrpatrons am 3. Sonntag im August.

Als Vorläufer der heutigen Kirmes gilt das seit dem 16. August 1934 vom Pfarrverein organisierte Rochusfest, das seit der Gründung der Schützengesellschaft  im Jahre 1842 mit der Kirmes gefeiert wird. Die dazugehörigen Festumzüge wurden scheinbar mit eigenen Musikanten begleitet. So findet sich in einer Inventarliste von 1882 ein Tambourmajorstock und auf dem Bild von 1892, erkennt man Trommeln. Da sich erst  1911 in Oberforstbach ein Trommler- und Pfeiferkorps bildete, wurde z.B. in 1903 der Musikverein Harmonie Vaals für 37 Mark engagiert.

In den Weltkriegsjahren fielen die Kirmesfeierlichkeiten aus; im Jahre 1934 wurden sie sogar vom NSDAP-Ortsgruppenleiter aus Verärgerung über eine zu geringe Wahlbeteiligung abgebrochen. Der Umfang und die Gestaltung der Kirmesfeierlichkeiten änderten sich im Laufe der Jahre. So wurde lange Jahre die Kirmes im Saal des Oberforstbacher Hofs gefeiert; ab 1976 im Festzelt an wechselnden Plätzen. Nun feiern wir die Kirmes wieder im Saal bzw. im Pfarrheim. Entsprechend unterschiedlich war die Gestaltung. Hauptbestandteile der Kirmes sind zum gemeinschaftlichen Gottesdienst der Zapfenstreich, das Wecken, Frühschoppen, Tanzveranstaltungen, Diskos, Festzug sowie Kinderbelustigung. Als eine besondere Eigenart hat sich die Verbrennung des Kirmesmannes nach einem Rundzug durch den Ort, durch „trauernde“ Frauen am letzten Kirmestag, seit 1975 erhalten.

In der heutigen Zeit hat die Kirmes  in der Bevölkerung nicht mehr den gemeinschaftlichen Stellenwert wie früher, wo man sich eigens zur Kirmes zeitlich entsprechend einrichtete. Es wird eine besondere  Herausforderung für die Schützenbruderschaft sein, dieses sehr an die kirchliche Tradition Gebundene, im Bewusstsein der Oberforstbacher zu erhalten.

Bei öffentlichen Anlässen und bei der Beisetzung verstorbener Mitglieder, führt die Bruderschaft die Fahne als individuelles Identifikationsmerkmal mit. Die violette Fahne aus der Gründerzeit ging verloren. Die auf dem Bild von 1892 erkennbare Fahne mit Preußenadler, ging im 2. Weltkrieg verloren und tauchte vor ca. 20 Jahren wieder auf. Zwischenzeitlich wurde 1948 eine neue Fahne geweiht, die bis heute die Bruderschaft begleitet. Der auf dieser Fahne dargestellte Rochus lehnt sich stark an die Darstellung auf der 1991 wiederentdeckten Pfarrfahne an. Auf der Rückseite zeigt die Fahne zwei sich kreuzende Gewehre mit Zielscheibe im Hintergrund. Eine, der am Fahnenstock angenagelten Plättchen, erinnert an den ehemaligen Männergesangverein Oberforstbach.

Wie jede traditionelle Schützenbruderschaft, freut sich auch die St. Rochus Schützenbruderschaft über den König, Schüler- und Jungprinzen, als Repräsentanten und Träger des Königssilbers. Gemäß der Satzung gehört der König in seiner Amtszeit dem Vorstand an und verpflichtet sich, seinen Lebenswandel so einzurichten, dass es seiner Königswürde entspricht. Einzige materielle Verpflichtung ist die Stiftung einer silbernen Medaille für die Königskette. Bislang ermittelte  man in allen Jahren, außer den Kriegsjahren 1915 bis 1918, 1940-1946 und 1999 einen Schützenkönig, meist im Schießwettstreit an der Vogelstange. Dabei kamen neben Büchsen, Kleinkaliber und Luftgewehren, auch einmal Pfeil und Bogen, Armbrust und eine Schrotflinte vor. Wegen des damals noch geltenden Waffenverbots, wurde der König im Jahr 1947 ausgelost. Als im Jahre 1949 der damalige Präses Pfarrer Schwinning mit der Armbrust den Vogel von der Stange holte, konnte er sich durch Zahlung einer Geldbuße bei der Bruderschaft von der Königswürde befreien.

Der Schießstand wechselte im Laufe der Jahre seinen Standort und befindet sich derzeit als Luftgewehrstand am Pfarrheim in der Schwinningstraße. Seit 1973 ermittelt die Bruderschaft beim Vogelschuss zu Christi Himmelfahrt den Jungprinzen und ab 1977 auch den Schülerprinzen. Das schon erwähnte Königssilber  besteht als zentraler Baustein aus einem Silbervogel aus dem Jahre 1842. Leider wurden im Jahre 1921, 51 Königsschilder veruntreut, sodass heute eine emeinsame Platte an die Namen der betroffenen Könige erinnert. Die älteste erhaltene Plakette erinnert an den Schützenkönig Peter Meuter von 1852.

Insgesamt fünfmal errangen Oberforstbacher Schützenkönige die Würde des Bezirkskönigs und konnten somit am Bundeskönigsschießen teilnehmen. Für jeden Schützenkönig ist die Teilnahme an Festzügen eine besondere Ehre. Diese finden aus unterschiedlichsten Anlässen statt; so z.B. Kirmes, Bezirksschützenfeste, Feste befreundeter Bruderschaften, Feste des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften oder aber Jubelfeste. Vom Jubelfest zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1892 ist noch der Reinertrag von 325,27 Mark überliefert, sowie ein Bild. Aus der Teilnahme an Schützenfesten und den zumeist damit verbundenen Schießwettbewerben, stammt auch der älteste Pokal der Bruderschaft von 1897. Wegen der Kriegswirren wurde das Jubelfest zum 100jährigen Bestehen erst im Jahre 1952 mit reger Anteilnahme aus der Bevölkerung gefeiert und eine umfangreiche Chronik der Bruderschaft von Heinrich Haupts erstellt. Anlässlich des erfolgreichen Jubelfestes von 1967, veranstaltete die Bruderschaft zu Karneval 1968 erstmalig einen „Bunten Abend“ mit überwiegend ortsansässigen Kräften, die unentgeltlich auftraten. Dieser Abend wurde jeweils eine Woche später, sonntags für Senioren wiederholt.

Im Jahre 2002, übergab die Bruderschaft die Gestaltung des „Bunten Abends“ an den Karnevalsverein Oberforstbacher Jonge, die ihn erfolgreich mit jungen Leuten weiterführt.

Im Jahre 1992, feierte die Bruderschaft im Rahmen  eines Bezirksschützenfestes ihr 150jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde eine vielbeachtete Festschrift als Chronik ohne Werbung herausgegeben. Die Bruderschaft gab eine Bronzeplakette mit der Kontur des hl. Rochus für Mitglieder und teilnehmende Vereine heraus und ehrte damit auch später Personen zu besonderen Anlässen. Lange Jahre organisierte und unterstützte die Bruderschaft mit einer Seniorenfahrt die ortsansässigen Rentner. Mit der Einrichtung einer ständigen Altenstube verflachte das Interesse an dieser Fahrt, so dass sich die Bruderschaft auf andere Hilfestellungen konzentriert. So stellt sie beim St. Martinszug eine Begleitung bereit, das Pfarrfest unterstützt sie in unterschiedlichen Aktivitäten. Vereinsinterne Feiern, wie z.B. Weihnachtsfeier oder auch Freundschaftsschießen mit Lichtenbusch/Eynatten oder Schleckheim/Brand, ergänzen das jährliche Geschehen.

In den letzten 25-30 Jahren, nahm der Schießsport durch die Teilnahme an den Bruderschaftsvergleichskämpfen immer mehr an Bedeutung zu. Die St. Rochus Schützenbruderschaft stellte bis zu 5 Mannschaften in unterschiedlichen Klassen und konnte auch Siegermannschaften stellen.

Die Bruderschaft besteht nunmehr aus insgesamt ca. 50 aktiven und inaktiven Mitgliedern und derzeit 4 Jungschützen. In früheren Jahren, hat sie immer einen Beitrag zu heute noch wichtigen kulturellen Einrichtungen wie Kirche, Kindergarten oder Pfarrheim leisten können. In der heutigen Zeit wird sie wohl mehr einen Beitrag zum Erhalt dieser Einrichtungen und damit verbundenen Wertvorstellungen in einer zunehmend von Globalisierung und Vereinheitlichung geprägten Gesellschaft leisten müssen.

Seit Juli 2013 ist die St.Rochus Schützenbruderschaft Oberforstbach als e.V. im Vereinsregister Aachen eingetragen. Die damit verbundene Änderung der Satzungen bezieht auch Änderungen in der Gesellschaft mit ein und gibt mehr Freiheit zur Gestaltung ohne die Werte Glaube, Sitte und Heimat zu verlieren.

 

Historische Bilder

Die Bruderschaft zum 50-jährigen Bestehen 1892

(Der Verbleib des Originalbildes ist seit 1992 unbekannt )

 

Die Bruderschaft 1928

(Die Herkunft des Originalbildes ist unbekannt )

Die Bruderschaft 1954

(Die Herkunft des Originalbildes ist unbekannt )

 

Die Bruderschaft 1967 (125 Jahre)

(Die Herkunft des Originalbildes ist unbekannt )

Hinweise zu den Bildern:

-        Für Beschreibungen, Namen u.s.w. verweisen wir zunächst auf unsere Festschrift aus dem Jahre 1992

-        konkrete Fragen beantworten wir gerne

-        weitere Bilder folgen

-        Hinweise zu Originale oder weiterer Bilder der Bruderschaft nehmen wir gerne entgegen.

 

 

 

 

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